Es ist ein Verbrechen das Leben nicht zu genießen!

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„Die Menschen sind glücklich, alles sind sie glücklich!

Das ganze menschliche Unglück kommt nur daher,

dass die Menschen nicht, wissen, dass sie bereits glücklich sind.“

– Fjodor Dostojewskij –

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„Das Leben ist das Ergebnis der Programmierung des eigenen Geistes!“

„Halt, das ist nicht wahr – mein Leben ist ganz anders, als ich es mir vorstelle!“

„Oh doch, mein Lieber, der Geist ist es, der die Materie beherrscht und auch alles, was sich in deinem Leben ereignet.“

„Ich glaube du möchtest mich veräppeln.“

„Ganz und gar nicht, mein Freund.“

 

Dieser kurze Dialog ist sehr realistisch, wenn es um die Frage nach den Ursachen für das Leben geht, wenn es darum geht herauszufinden warum die Dinge so sind, wie sie eben sind. Der entscheidende Irrtum, der hier jedoch zugrunde liegt, besteht darin, dass die duale Natur des Geistes nicht verstanden wird. Unser Geist besteht aus einem bewussten Teil (den wir in der Regel für das halten, was wir „wirklich“ sind) und einem unbewussten Teil (von dem wir mehr oder weniger etwas wissen). Seit Freud hat dieser zwiefältige Natur des menschlichen Geistes für Verwirrung, Unglauben und Schwierigkeiten aller Art gesorgt.

Unser bewusster Geist unterliegt unserer Kontrolle, das Unbewusste dagegen arbeitet wie eine Maschine und nichts anderes als eine Maschine – es ist sozusagen „geistlos“. Es arbeitet genau so wie ein Computer – was rein geht, kommt auch wieder heraus („garbage in – garbage out“). Nachdem das Unbewusste unser Autopilot darstellt und sagenhafte 99 Prozent unseres Lebens uns seiner Ergebnisse bestimmt, sollten wir sicherstellen, dass es mit den richtigen, das heißt guten, konstruktiven, positiven, lebensbejahenden Programmen, gefüttert wurde, so dass sich die Resultate davon in unsere Lebensrealität zeigen.

Wenn wir unser Leben und das Leben aller Menschen überhaupt von dieser Perspektive aus betrachten (nämlich, dass das Leben im Wesentlichen in der richtigen Programmierung besteht), können wir genau jene Veränderungen durchführen, die notwendig sind, um von der „Verliererseite“ auf die „Gewinnerseite“ zu wechseln.

„Es geschieht Euch nach Eurem Glauben“, meinte Jesus Christus und machte damit eine der gewaltigsten Aussagen, die je in dieser Welt gemacht wurden. Völlig ungeachtet dessen, ob man sich nun als Christ bezeichnet oder nicht, lohnt es sich über diese Aussage ernsthaft nachzudenken, denn wenn man sie als wahr akzeptiert hat und ernst nimmt, ändert sich die eigene Lebensführung dramatisch. Vor allem kann man dann nicht mehr die üblichen Paradigmen aufrecht erhalten, die uns durch Erziehung, Sozialisation und Kultur glaubhaft gemacht wurden, oder glaubhaft machen wollte.

 

Der entscheidende Paradigmenwechsel

Bin ich Opfer der Umstände oder bin ich der Meister meines Schicksals? Wie einer diese Frage beantwortet, gehört zu den entscheidsten Dingen im Leben überhaupt, denn hier liegt der Schlüssel zu unserer Macht oder Machtlosigkeit versteckt. Wenn wir uns als Opfer empfinden, ist das Leben im Grunde nichts als ein Glücksspiel, die Ergebnisse liegen dann nicht in unserer Hand. Sehen wir uns jedoch als Schöpfer der Umstände, dann verfügen wir über gewaltige Macht. Die Kehrseite davon ist freilich, dass wir auch für alles Verantwortung übernehmen müssen und nicht mit dem Finger auf andere zeigen können, die für unser Unglück verantwortlich sein sollen. Sich als Schöpfer zu sehen erfordert ein gerütteltes Maß an Reife, aber wir werden niemals reife, erwachsene Menschen sein, wenn wir nicht diesen Schritt machen. Verweigern wir diesen, dann sind wir ewige Kinder, die sich dagegen stäuben die Realität anzuerkennen. Die Entscheidung liegt bei jedem einzelnen von uns.

 

Achte stets darauf, welche Botschaften auf deinen Geist einwirken dürfen

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der menschliche Geist ein äußerst sensibles Instrument ist, der von allem, was sich außerhalb von ihm, ebenso wie in seinem Inneren abspielt, beeinflusst wird. Das menschliche Gehirn ist das großartigste und komplexeste Instrument im ganzen Universum, das unsere Leben zum Himmel oder zur Hölle machen kann. Wofür wir uns entscheiden liegt ganz alleine bei uns. Deshalb hier einige Vorschläge zur Verbesserung der eigenen Lebensqualität und –realität:

  • Reduziere den Nachrichtenkonsum (vor allem jener der Mainstream-Medien) drastisch. Was uns durch die Medien Tag für Tag präsentiert wird ist nicht die „Wahrheit“, sondern ein hochselektives Programm, das von anderen, nicht von uns selbst, bestimmt wird. Es ist nicht ein umfassender Blick auf die Welt, sondern lediglich das Ergebnis der Agenda der Leute, die unseren Geist nach ihrem Plan formen wollen. Über die Medien beherrscht man den Geist der Menschen. Übernehmen wir die Kontrolle selbst und gestatten es nicht anonymen Institutionen unsere Geisteshaltung zu bestimmen (die Zeiten der Propaganda sind endgültig vorbei!). Die Medien profitieren schlicht und einfach von unserer uralten Prägung, Probleme zu suchen und darauf mit dem Kampf-oder-Fluchtreflex zu regieren. Das war zwar gut in einer Welt voller Gefahren, in der das Überleben davon abhing, hat aber nichts mehr mit der Realität des 21. Jahrhunderts zu tun. Das Paradigma für uns hat sich gewandelt! Heute herrscht nicht mehr Mangel und Gefahr vor, sondern Überfluss und Sicherheit! Die Welt war noch nie so reich, so gerecht und so dem menschlichen Leben förderlich als in unserer Zeit – und das Beste ist: es wird immer besser und besser! Wenn wir uns das einmal bewusst gemacht haben, dann können wir anstatt mit Angst und Sorge mit Zuversicht, Liebe und Optimismus der Welt begegnen. Wir können dann anstatt instinktiv zu reagieren, eine aktive, vom Verstand geprägte, Antwort auf das Leben geben und diese besteht immer in einem individuellen Ausdruck und niemals in einem vorgefertigten Programm oder Befehl, der in der Regel nicht einmal von uns selbst stammt. Das sagt uns zwar niemand, denn es ist eine Wahrheit, auf die wir meist selbst drauf kommen müssen (und ich bin dankbar dafür, dass ich dazu beitragen kann mehr Freude und Zuversicht ins Leben anderer zu bringen, denn das ist einer der Gründe, warum ich selbst auf diese Welt gekommen bin).

 

  • Achte besonders darauf mit wem du dich umgibst! Das soziale Umfeld hat einen enormen Einfluss auf unser Leben. Wenn wir uns mit negativen, kritiksüchtigen und miesepetrigen Zeitgenossen umgeben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn sich unser Leben dementsprechend entwickelt. Entferne deshalb alle Menschen, die dich nicht unterstützen, die deine Lebensziele nicht für gut halten und umgibt dich nur noch mit solchen Individuen, die dich unterstützen, die Freude in dein Leben bringen und zu deinem Wohl beitragen. In dieser Frage kann es keine Kompromisse geben! Wahrscheinlich bedeutet diese Aufgabe für dich, dich von einigen sozialen Verbindungen, die du hast zu trennen, aber dieser Preis ist sehr gering im Verhältnis zu dem riesigen Gewinn, der auf dich wartet.
  • Trenne dich vom Massenbewusstsein. Es ist eine irrige Vorstellung zu glauben man könne ein glückliches Leben führen, wenn man so ist „wie die anderen“. Nachahmung ist Selbstmord und wer wie ein Schaf in der Herde dem folgen möchte, was die meisten Menschen für gut und richtig halten, darf sich nicht wundern ein miserables und von Unglück geprägtes Leben zu führen. Die meisten Menschen denken in Kategorien des Mangels (sei es Geld, Gesundheit, Ressourcen aller Art etc.). Doch wenn man glücklich sein möchte, dann muss man die Wahrheit denken und diese besteht im Überfluss, in der Grenzenlosigkeit (denn das ist die wahre Natur aller Dinge in unserem Universum).
  • Praktiziere Gedankenhygiene – will heißen: reinige deinen Geist regelmäßig von der Verschmutzung, die er sich in der Welt zuzieht. Beseitige alle negativen, begrenzenden, Gedanken, all jene Gedanken, die dich niedermachen, die dir Sorgen und Verdruss bereiten. Sie haben nichts mit der Realität gemein und sind nichts anderes als geistige Viren, die dazu gedacht sind dich krank zu machen.
  • Glaube niemals, dass Glück sei ein begrenztes Gut ist und dass es nur eine temporäre Erscheinung wäre, die sich zwischen allen möglichen anderen Geisteszuständen einstellte. In Wirklichkeit ist dauerhaftes Glück sehr gut möglich. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür warum ein Mensch nicht von der Wiege bis zum Grabe, ohne Unterlass, in jeder einzelnen Minute, glücklich sein sollte. Das ist eine gewagte Aussage, aber wir sollten sie ernst nehmen und nicht so ohne weiteres von der Hand weisen.
  • Verändere deine Umgebung, sorge für Schönheit, Lust, Positives, Liebe und alles was gut ist im Leben. Dadurch programmierst du einen Geist neu und es wird nicht lange dauern, bis sich die entsprechenden Ergebnisse in deiner Lebenserfahrung einstellen.

Anhang

Eines der aufbauendsten Gedichte, die je von einem Dichter verfasst wurden ist „Invictus“ (dt. „Unbezwungen“) von William Ernest Henley (1849-1903). Ich will es hier im englischen Original wiedergeben. Wer es lieber Deutsch haben möchte, findet viele gute Übersetzungen im Internet (Ich persönliche glaube ja, dass die Essenz eines Gedicht sehr schwer in eine andere Sprache zu übertragen ist und dass man es selbst dann, wenn man die fremde Sprache nicht vollständig versteht, dennoch besser begreift, als wenn man eine schöne Übersetzung in der eigenen Muttersprache vorliegen hat).

 

Invictus

Out of the night that covers me,

Black as the pit from pole to pole,

I thank whatever gods may be

For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance

I have not winced nor cried aloud.

Under the bludgeonings of chance

My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears

Looms but the horror of the shade,

And yet the menace of the years

Finds and shall find me unafraid.

It matters not how strait the gate,

How charged with punishments the scroll,

I am the master of my fate:

I am the captain of my soul.

 

Als Bonus noch zwei Youtube-Videos zum Schluss – Schaut sie euch an und genießt!

https://www.youtube.com/results?search_query=multi+billionaire+lifestyle+extremely

Dem Genuss des Lebens steht nichts entgegen als unsere eigene Unwilligkeit! Lassen wir uns von uns selbst nicht alles gefallen und treffen die richtige Entscheidung. Das Leben ist viel zu kurz, um nicht aus dem Vollen zu schöpfen!

 

Euer O. M.

 

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„Warum nicht?“ ist keine Grund!

44119071-male-businessman-said-why-not-retro-style-pop-artDie Welt ist voller Menschen, die etwas von uns wollen. Je intensiver und umfangreicher unsere sozialen Kontakte und Beziehungen sind, desto mehr machen wir diese Erfahrung, ganz besonders dann, wenn wir dafür bekannt sind anderen gerne einen Dienst zu erweisen. Dabei werden wir ständig in die Lage versetzt Entscheidungen zu treffen – an sich keine schlechte Sache, allerdings nur dann, wenn es nicht Überhand nimmt und wir uns dabei bewusst sind, dass jede Entscheidung, die wir treffen, ob klein oder groß, uns psychische Energie abverlangt. Dabei gibt es eine ganz besondere Art von Aufforderung an uns, die oft von außen (von anderen), aber auch nicht selten durch unser eigenes Selbst gestellt wird: „Warum nicht?“.

Allzu oft erleben wir bei anderen aber auch bei uns selbst, dass als einziger Grund für eine Handlung ein „Warum-nicht?“ gegeben wird, ohne dass es eine vernünftige Auseinandersetzung mit der entsprechenden Materie gäbe. Wir alle unterliegen zuweilen der Versuchung eine Sache nur deshalb zu tun, weil uns, zumindest im Augenblick, keine Gegenargumente in den Sinn kommen. Man möchte meinen dies wäre doch keine problematische Angelegenheit und ein Nachgeben sei doch nur selten einmal schädlich, ja es könne damit sogar die Option auf einen Gewinne verbunden sein. Doch ist dem wirklich so? Sollen wir uns die Sache nicht etwas genauer ansehen und herausfinden ob eine Entscheidung alleine deshalb, weil uns nichts Dagegenstehendes einfällt, als sinnvoll betrachtet werden kann.

Tatsächlich ist die ganze Sache nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Meist verbirgt sich hinter der Aufforderung man solle etwas tun mit der schlichten Erklärung „Warum nicht?“ nichts Gutes, ja in der Regel sollen wir dadurch dazu verführt werden den Interessen eines anderen zu dienen, aber kaum einmal unsere eigene Agenda zu verfolgen. „Warum nicht?“ stößt in ein Vakuum, in dem uns die nötigen Informationen fehlen um eine positive Entscheidung zu treffen, also sollen wir zumindest emotional in das Fahrwasser des Vielleicht-Möglichen verlegt werden. Damit nutzen anderen, oder auch ein „innerer Verführer“ ins uns (Dämon, Teufel, Joker etc. wie immer man ihn auch nennen mag), unsere Schwächen aus, um und willfährig zu machen oder zumindest unseren Mangeln an Information oder auch schlicht und einfach unsere Langeweile auszunutzen. Oft gibt es ja durchaus Gründe dafür etwas nicht zu tun, doch diese mögen uns im Moment nicht geläufig sein und unsere augenblickliche Sprachlosigkeit soll dann dazu dienen etwas zu tun, von dem sehr zweifelhaft ist, ob es je einen Nutzen für uns haben wird.

Worauf sollen wir uns nun verlassen? Der bloße Verstand reicht oft nicht aus, es bedarf der Vernunft, denn diese beinhaltet auch stets die Intuition, welche wiederum nichts anders ist als unbewusstes Wissen (man lasse sich nicht verführen in der Intuition etwas „Magisches“ zu erblicken, das ist ein anderer Trick der Verführer und Scharlatane, die an allen Ecken lauern). Gefahr besteht vor allem dort, wo jemand (egal ob jung oder alt) über nur wenig Erfahrung in einem bestimmte Bereich verfügt. Das Entscheidende ist, dass man in seinem inneren überhaupt etwas fühlt. Wenn man nämlich gar nichts fühlt, ist es in jedem Fall unklug überhaupt eine Entscheidung zu treffen, ja mehr noch, wie uns die Gehirnforschung inzwischen bewiesen hat, können wir Menschen ohne irgendeine Empfindung überhaupt keine Entscheidungen treffen. Es geht also weniger darum, dass wir überhaupt nichts fühlen, als viel mehr darum, dass wir unsere Gefühle nicht von anderen (oder auch uns selbst) verführen lassen. Als Grundregel gilt jedenfalls, dass wenn unsere Gefühle nicht ein eindeutiges „Ja“ zu einer Sache uns nahe legen, wir immer mit „Nein“ antworten sollten. Wir sollten also niemals nur deshalb etwas tun, weil scheinbar nichts dagegen spricht. Es ist wichtig immer einen guten Grund für eine Sache zu haben, ansonsten sind wir immer der Gefahr ausgeliefert uns wie ein Pilot im Blindflug zu befinden und uns dem Schicksal (oder viel schlimmer noch anderen Menschen) ohne Kontrolle auszuliefern. Es ist wichtig zumindest einen sehr guten Grund für seine Entscheidung zu haben, der eine ganze Menge an Zweifeln aufhebt. Vor allem aber sollten wir immer dann, wenn uns der Gedanke „Warum nicht?“ kommt tief durchatmen und uns Zeit lassen. Eine Auszeit ist nämlich wahres Gift für all jene Versuchungen und Impulse, die uns zum sofortigen Handeln drängen. Darüber hinaus sollten wir uns stets fragen ob uns die entsprechende Sache überhaupt etwas angeht. Nur allzu oft kümmern wir uns nämlich um die Agenden anderen Leuten und vergessen dabei unsere eigenen Prioritäten.

 

Euer O. M.

 

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Freiheit kommt nicht ohne Schatten daher

Schatten der FreiheitKeine Sache in der Welt, vor allem keine vom Menschen geschaffene Sache, ist so rein, dass sie nicht auch einen gewissen Makel in sich trüge. Diese Tatsache ist den Weisen schon immer bekannt gewesen und im 20. Jahrhundert war es vor allem Carl Gustav Jung (1875-1961), der sich eindringlich mit dieser Problematik beschäftigt hat und eine Systematik geschaffen hat, die ich für die brauchbarste in diesem Bereich überhaupt halte. Deshalb will ich hier auch über das sprechen, was Jung als den „Schatten“ bezeichnete und in einem immer stärker werdendem Maße die Psychologie der Moderne und Postmoderne beeinflusste.

Wer vom Essen spricht, hat meistens Hunger, wer den Frieden propagiert, will meistens Krieg und wer das Wort von der Freiheit übervoll um Munde führt, möchte meist nur der erdrückend empfundenen Unfreiheit entkommen. Das sind alte Einsichten und doch müssen wir sie uns immer wieder ins Bewusstsein rufen, um nicht dem Schein zu erliegen und den wahren Tiefen des menschlichen Seelenlebens auf die Spur zu kommen. Der Schatten ist nach Jung ein Teil des menschlichen Unbewussten, ein Teil, der im Gegensatz zu unserem wachen Bewusstsein steht, uns zwar in Bezug auf unsere Selbstdefinition und auf all jene Dinge, die wir als „gut“, „schön“ und „wünschenswert“ an uns selbst ansehen. Etwas verkürzt könnte man sagen der Schatten ist das genaue Gegenteil dessen, was wir bewusst von uns selbst glauben. Dabei entspricht der Schatten in Ausmaß und Intensität dem Negativ unserer bewussten Ansichten über uns selbst.

Was heißt das alles nun in Bezug auf die Freiheit, bzw. auf unser Streben nach persönlicher Freiheit? Im Grunde handelt es sich dabei um all jene Aspekt in und an uns, die das Gegenteil der Freiheit darstellen: Unfreiheit, Abhängigkeit, ja mitunter sogar Knechtschaft und Sklaverei! Vorsicht ist vor allem dort geboten, wo jemand regelrecht fanatisch nach Freiheit und Unabhängigkeit strebt, bis zu einem völlig irrationalen Ausmaß hin, so dass ein vernünftiger Mensch ein solches Streben nicht mehr nachvollziehen kann. In solchen Fällen handelt es sich in den meisten Fällen um die Ablehnung, bzw. dem Entkommen des Gegenteils, nämlich der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wer sich unfrei fühlt oder wer über nur wenig Freiheit verfügt und sein Leben nach dem Willen anderer ausrichtet oder ausrichten muss, mag leicht einen unbändigen Drang nach Freiheit entwickeln – allein es ist eine Illusion und die Realität zeigt das genaue Gegenteil dessen, was nach außen hin (und vor allem bewusst in Bezug auf die eigene Person) vertreten wird.

Es ist deshalb unumgänglich, dass wir uns unseres Schattens stellen und all jene Teile in unserem Innenleben ins Bewusstsein bringen, die dem, was wir anzustreben gedenken entgegenstehen. Der Schatten ist, wie ich bereits in einem früheren Beitrag erwähnt habe, nicht unbedingt etwas Schlechtes oder „Dunkles“, sondern etwas, das wir nicht sehen wollen, etwas, das unserer bewussten Einstellung uns selbst gegenüber widerspricht. Nichtsdestotrotz ist es eine Realität und uns dieses Schattens nicht bewusst zu werden heißt immer auch der Gefahr ausgesetzt zu sein von „unbekannten Kräften“ im Leben beeinflusst, ja möglicherweise sogar bestimmt, zu werden – im Extremfall kann dies sogar zur Psychose führen.

Wo liegen also Deine Schwächen? Wo bist du nicht auf der Seite der Freiheit, sondern lässt Dich von anderen oder der Gesellschaft bestimmen? Hier geht es nicht um das was du Dir über Dich selbst erzählst, sondern um Deine tatsächliche Lebensführung – und diese ist bei den meisten sehr verschieden von jener. Es sind dies die Bereiche in denen nicht nur ein gewaltiger innerer Schatz auf Dich wartet, sondern wo mehr noch das Potenzial für großes Wachstum besteht – allerdings nur für denjenigen, der sich seinem Schatten stellt.

 

Ein Gedanke zum Schluss

Um ein gutes Leben führen zu können, muss der Mensch frei sein. Wer Sklave ist, egal ob er sich dieses Umstandes bewusst ist oder nicht, ist niemals ein freier Mensch und sein Glück, sollte er ein solches empfinden, ist eine reine Illusion. Vor mehr als 200 Jahren postulierte es Thomas Jefferson sehr treffend, indem er ausrief: „Wo die Regierung Angst vor dem Volk hat, dort herrscht Freiheit. Wo die Menschen Angst haben vor der Regierung, dort herrscht Tyrannei!“ Wie sieht es nun bei uns auch, in Europa und gerade auch in Österreich? Haben die Regierungen Angst vor uns oder ist es umgekehrt? Ich glaube hier haben wir einen wahren Prüfstein für die realen Verhältnisse in der Welt, einen, der eine andere Interpretation nicht zulässt und auf den wir und ohne Wenn und Aber verlassen können (die Abstimmung Großbritanniens über den Austritt aus der EU – den so genannten „Brexit“, letzte Woche, mag zu vertiefenden Überlegungen dazu einen weiteren Anlass geben).

 

Seid also wachsam, wenn Ihr nach Freiheit strebt und seid Euch immer der Möglichkeit bewusst, dass auch die gegenteiligen Aspekte in Eurer Psyche vorhanden sind und dass Ihr wahre Freiheit niemals erreichen könnt, wenn Ihr diese nicht sinnvoll integriert habe. Nur wer sich des Schattens in sich selbst bewusst ist, kann vernünftigerweise darauf bauen nicht von ihm beherrscht zu werden und ein freies uns selbst bestimmtes Leben zu führen.

 

Euer O. M

 

 

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Freiheit und Gewissheit

Sky and cloudsViel wird unter den Menschen über die Freiheit gesprochen und es gibt wohl kaum ein Individuum, zumindest in der westlichen Welt, das nicht die Freiheit zu einem seiner höchsten Werte erkoren hat.

Dabei machen wir es uns aber alle viel zu leicht, indem wir auf der einen Seite „Freiheit“ rufen, auf der anderen aber wollen, dass unser Leben in bekannten Bahnen verläuft, in Sicherheit verläuft. Wenn wir nach Freiheit streben, dann fühlen wir uns folglich im Augenblick unfrei. Was wir also scheinbar wollen ist eine Veränderung unserer Umstände. Auf der anderen Seite aber fürchten wir uns gerade vor so einer Veränderung. Es ist nämlich ein Widerspruch in sich, sowohl Freiheit als auch Gewissheit haben zu wollen. Wenn die Welt wirklich gewiss wäre, das heißt, wenn es keinen Spielraum für den Zufall, für die Spontaneität, gäbe, dann ist die „Freiheit“ für immer unereichbar. Ihr Wesen besteht ja gerade darin, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist, dass diese noch nicht fest steht. Ein Optimist ist deshalb ein Mensch, der glaubt, dass die Zukunft ungewiss ist. Es ist das uralte Problem (nicht nur für die Philosophen und Theologen), ob der Mensch einen freien Willen hat, oder ob alles determiniert ist, oder ob es zwischen diesen beiden Polen vielleicht auch einen Mittelweg gibt. Eines jedoch ist gewiss: Je größer die Vorherbestimmtheit in diesem Universum ist, desto geringer ist die Freiheit des Menschen. Im Extremfall, wenn alles Schicksal ist, dann hat der Mensch überhaupt keinen freien Willen, dann gibt es aber im gesamten Kosmos keine Freiheit. In so einem Fall nach Freiheit zu streben wäre wie Luftschlösser bauen. Gesetzt diesen Fall, dann gäbe es für den Menschen aber auch keine Hoffnung und man müsste mit gesenktem Haupt resignierend sagen, wie es leider ohnehin schon so oft vorkommt, „da kann man halt nichts machen.“

Vielen Menschen scheinen die logischen Widersprüche nicht aufzufallen und gerade darin dürfte ein großer Teil des menschlichen Leids liegen. Wenn wir glauben, wir könnten die Freiheit haben, ohne dafür einen Preis zu bezahlen, dann befinden wir uns damit gehörig auf dem Holzweg. Wir machen uns meist keine Vorstellungen davon wie viele Dinge in unserem Leben zufällig sind. Die moderne Physik hat bewiesen, dass der Zufall ein ganz entscheidender Faktor im Universum ist. Uns Menschen mag dies nicht gefallen, es gibt uns das Gefühl von Unbedeutendheit und leicht kann einer sich dabei als Opfer von höheren Mächten fühlen – egal ob von natürlichen oder übernatürlichen.

Man kann das Ganze aber auch von einer anderen Seite betrachten. Wenn ich hier ein Vergleich ziehen darf, dann würde ich meinen, dass das, was für das Universum der Zufall ist, im Bereich des Menschen die Spontaneität ist. Es hat sich oft genug gezeigt, dass der Mensch niemals gut fährt, wenn er sich gegen die Natur stellt. Das Glück des Menschen kann überhaupt nur im Einklang mit der Natur, auch mit seiner eigenen, niemals im Kampf gegen diese, gefunden werden. Wir sind leider immer noch negativ geprägt von kulturellen Verhaltensweisen und Denkmustern, die uns jahrhundertelang anderes gelehrt haben.

Die Freiheit des Menschen besteht nicht darin Dinge vorherzusehen, die geschehen werden, sondern in der (psychologischen) Erlaubnis auf jede sich bietende Situation im Leben bestmöglich zu reagieren. Freiheit ist in erster Linie nichts Rechtliches, auch nichts Soziales, sondern etwas Psychologisches! Aber das wahre Problem liegt darin, dass die wenigsten Menschen die Freiheit haben immer das Richtige zu tun. Das liegt einerseits an der Erziehung und der Sozialisation, andererseits an den Gewohnheiten, die der Mensch sich angeeignet hat. In diesen liegt die wahre Unfreiheit des Menschen. Nur wer daran arbeitet, das heißt an seinem Inneren, der kann hoffen eines Tages eine größere Reichweite seiner Freiheit zu erreichen. Versuche die rechtliche Situation zu verbessern oder die sozialen Gegebenheiten für die Menschen günstiger zu gestalten, hilft nur sehr wenig. In Wahrheit untermauern sie ja gerade die Opferhaltung des Menschen und machen den einzelnen glauben, es seien vor allem äußere Kräfte, auf die er einwirken müsse, um sein Leben in bessere Bahnen zu lenken.

Wir Menschen machen einen großen Fehler, wenn wir glauben, wir könnten frei sein, ohne dabei die entsprechende Höhe des Charakter erreicht zu haben. Die Freiheit bedeute nämlich auch dass wir auf die Bestimmtheit des Lebens und unseres persönlichen Schicksal verzichten! Es heißt, dass wir bereit sind völlige Verantwortung, und das heißt wahrhaft zu 100 Prozent, für das Leben zu übernehmen. Die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung eines Charakters überhaupt ist der Mut. Schon Aristoteles wusste, dass es ohne diese Grundtugend keine anderen Tugenden geben kann. Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir vielleicht statt Freiheit Gemütlichkeit und Stressfreiheit meinen, was wir wirklich wollen. Ist dem so, dann dürfen wir aber nicht den Begriff „Freiheit“ in den Mund nehmen.

Der Mensch möchte seinem Wesen nach gut sein, doch allzu oft gelingt ihm dies nicht. Schon der Heilige Paulus schrieb in seinen Briefen, dass er nicht das Gute, das er wolle tue, sondern das Böse, das er nicht wolle. Wir sollten deshalb nachsichtiger mit uns selbst und anderen sein, ohne dabei nachlässig zu werden. Die hohen charakterlichen Ideale sind niemals völlig erreichbar, trotzdem dienen sie uns als Kompass, um uns nach dem Rechten auszurichten. „Der Mensch is guat. Nur de Leit san a Gsindl!“, sagte schon Johann Nepomuk Nestroy.

Haben wir den Mut frei zu sein und uns nicht vor dem Unbekannten zu fürchten!

 

Euer O. M.

 

 

Warum das Leben der meisten so langweilig ist

Warum das Leben langweilig istLangeweile gehört zu den schlimmsten Übeln und größten emotionalen Schmerzustände, die ein Mensch im Leben überhaupt erfahren kann. So unglaublich es auch klingt, Langeweise ist historisch gesehen ein junges Phänomen. Erst seit dem 19. Jahrhundert ist der Begriff Langeweile, so wie wir ihn kennen, überhaupt bekannt, über die längste Zeit der Menschheitsgeschichte hinweg, wussten die meisten damit überhaupt nichts anzufangen. `Was für glücklichen Vorfahren!´ möchte man da doch denken. Wir leben in einer Welt, in der die Menschen zwar nach außen hin oft skeptisch-zynisch sind, auf der anderen Seite dennoch eine Naivität und Autoritätshörigkeit aufweisen, die aus längst vergangenen Zeit zu stammen scheint. Eines ist jedoch gewiss: Wie Sigmund Freud bereits vor langer Zeit erkannte, fühlt der Mensch sich nicht wohl in der Gesellschaft (siehe das „Unbehagen in der Gesellschaft“), das heißt genauer: er fühlt sich nicht wohl in der spezifischen Gesellschaft, die wir seit etwa 200 Jahren vorfinden. Worauf ist dies zurückzuführen? Nun, im Kern auf einen einzige Sache, deren sich viele Denker seit langem gewidmet haben: der Entfremdung.

 

Was ist Entfremdung

Der Begriff wird in der Psychologie, Philosophie und in der Soziologie verwendet und bezeichnet einen menschlichen Zustand, bei dem die Beziehung, entweder zu einer Sache, anderen Mensche oder sich selbst gestört, verdreht oder überhaupt nicht mehr vorhanden ist. Dieser kann sowohl auf gesellschaftlicher, als auch auf individueller Ebene eintreten. Ein Kennzeichen davon ist ein Verlust an Leben und Lebendigkeit, bis hin zu den mannigfaltigen psychischen Problemen und Störungen, die wir so oft bei Menschen wahrnehmen. Es ist der Zustand des „Herausgefallenseins“ aus der Schöpfung, wie es viele moderne Existenzialisten bezeichnen, das Gefühl, dass etwas grundsätzlich nicht in Ordnung ist mit der Welt – und zwar mit der Welt an sich. Dies ist eine Empfindung, die dem modernen Menschen wohlbekannt ist, doch ist dem nicht immer so gewesen.

 

Die Vier Arten der Entfremdung

Der Begriff Entfremdung war Ende des 19. Jahrhunderts und noch zu Beginn des 20. recht populär gewesen, geriet dann jedoch in Vergessenheit, bis er in den 60er- und 70er-Jahren noch einmal eine Renaissance erfuhr. So viele politische und weltanschauliche Irrtümer auch in der Vergangenheit mit diesem Begriff verbunden waren (und die wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Diskussion darüber so unglaublich vergiftet wurde), so sehr bleibt in ihrem Kern doch eine tiefe Wahrheit bestehen. Unter Entfremdung kann man insgesamt verschiedene Dinge verstehen. Zusammengefasst sind es eben diese vier Bereiche, die davon betroffen sind:

  1. Die Entfremdung von der eigenen Arbeit
  2. Die Entfremdung von seinen Mitmenschen
  3. Die Entfremdung von der Natur
  4. Die Entfremdung von sich selbst

All diese Arten von Entfremdung können heute überall beobachtet werden, sie alle haben eine zentrale Ursache:

Das Kernproblem besteht darin, dass wir zum Lebendigen dieselben Beziehungen wie zu den Objekten haben.

Eng damit Verbunden ist die Objektifizierung allen Seins, nicht nur der leblosen Dinge, sondern auch des Lebendigen, einschließlich des Menschen selbst. Kaum einer hält sich mehr an Kants Weisheit niemals einen anderen Menschen zu verzwecken, ihn nicht als Mittel zu den einen Zwecken zu missbrauchen. Ja, gerade das Gegenteil ist heute die Regel. Doch damit geht etwas anderes einher, das kaum einer bedenkt:

Man kann andere nicht missbrauchen und zum Objekt machen, ohne sich dabei selbst zu missbrauchen und zum Objekt zu degradieren!

 

Wie kann man sich wieder mit dem Leben verbinden?

Schleichend sind wir mit der Zeit in diese Misere hineingeraten. Doch, gibt es einen Weg heraus? Zuerst einmal sollten wir damit aufhören zu tun, was uns in diese Lage gebracht hat. Wenn man in einem tiefen Loch sitzt, sollte man zuerst einmal aufhören weiter zu graben.

Das Leben an sich ist leicht, doch das gute Leben ist schwer, vor allem in unserer Zeit. Warum? Weil wir in den allerwenigsten Fällen mit unserem Geist im Hier und Jetzt weilen, meist ist er entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft (im Gehirn spielt sich dasselbe ab, wenn wir an die Vergangenheit denken, als wenn wir Zukunftsprognosen machen, lediglich wenn wir ganz gegenwärtig sind, verhält es sich völlig anders!). Doch wir sind nicht verloren, sondern können diesem allgemeinen Strom der Geschichte als Individuum erfolgreich entgegentreten, wenn auch die Chancen für die Menschheit als ganzer nicht besonders gut aussehen. Schauen wir uns die wichtigsten Dinge an, die das Individuum unternehmen kann, um ein intensives Leben, das mit Sinn und Zweck erfüllt ist tun kann.

  • Überprüfe deine Motivation bei allem, was Du tust. Wenn Du etwas anstrebst, wenn Du einer bestimmten Tätigkeit nachgehst, was sind Deine Motive dabei? Wenn Du mit anderen Menschen in Kontakt trittst, was möchtest Du wirklich von ihnen? Es ist recht schwer einen anderen objektiv zu sehen, wenn man ihn zur Befriedigung des eigenen Willens gebrauchen möchte.
  • Erkenne das Lebendige in allem, vor allem im Mitmenschen. Wer Lebendes gleich wahrnimmt, wie Nicht-Lebendiges, geht an der Wahrheit vorbei.
  • Seine eigenen Werte kennen, ebenso wie die eigenen Ziele im Leben, die nicht einfach von der Erziehung und Gesellschaft übernommen wurden. Die Frage nach dem Sinn ist eine zutiefst menschliche. Man mag zwar argumentieren, dass „Sinn“ in der Welt der Natur nicht vorkäme, doch damit bestätigt man nicht die Sinnlosigkeit der Natur, sondern vielmehr, dass der Mensch eben nicht vollständig Natur ist, sondern über sie hinausgeht.
  • Sein Leben reflektieren. Sokrates meinte schon, dass ein nicht reflektiertes Leben nicht wert sei gelebt zu werden. Damit war gemeint, dass der Mensch lebt, aber nur dann, wenn er sich dessen bewusst ist, wenn sein Leben nicht auf Autopilot läuft. Nur dadurch transzendiert er das Tiersein, ansonsten lebt er nicht, sondern wird, wie die Kreatur, einfach nur gelebt.
  • Habe einen Ehrenkodex und gestatte es Dir nicht andere wie Objekte zu behandeln. Der Mensch ist ein Phänomen und kein „Ding“, das nach Belieben gebraucht werden kann.
  • Begnüge Dich nicht mit oberflächlicher Psychologie wie etwa dem Behaviourismus, der sich nur darum kümmert, wie man Menschen manipulieren kann, wie man von ihnen bekommen kann, was man möchte. Verlege Dich auf das tiefere Studium des Menschen und versuche sein Wesen und nicht bloß sein Verhalten zu ergründen.
  • Lerne es tiefe Konzentration und Verbundenheit mit allen Deinen Tätigkeiten und allem Umgang mit Deinen Mitmenschen zu praktizieren.
  • Vermeide Multitasking. Es ist ohnehin ein Illusion zu glauben man können mehrere Dinge gleichzeitig erledigen – ein Mythos, der aufrecht erhalten wird, um Menschen „auf Trab“ zu halten. In Wahrheit kann der Mensch nur eine einzige Sache zu einem gegebenen Zeitpunkt ausführen. Erkenne dies an und versuche deshalb nicht gegen Deine Natur zu handeln.
  • Es gibt für alles eine Zeit: für das Geschäft, wie für die Ruhe, für die Geselligkeit, wie für die Einsamkeit. Sorge dafür, dass Dein Leben abwechslungsreich ist und habe auch nicht immer dieselbe Geisteshaltung. Das Leben nur aus einer einzigen Perspektive heraus zu beobachten, macht es langweilig und lässt einen den Mangel an Tiefgang empfinden.
  • Verbringe viel Zeit in der freien Natur, vor allem in Gegenden, in denen Du alleine bist, wie im Wald, am Strand (nicht an einem überfüllten Badestrand) oder auf hohen Bergen. Die Verbindung mit der Natur, in der wir Menschen den größten Teil unserer Evolution verbracht haben, klärt den Geist, verbessert das Denken und ist eine Regeneration für unsere Seele.
  • Lerne es tiefe und wahrhaftige Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Dies ist nicht leicht und es gibt auch nicht allzu viele Zeitgenossen, mit denen dies möglich ist, doch als soziale Wesen führt für uns nichts daran vorbei über gute zwischenmenschliche Beziehungen zu verfügen. Unser Leben wird in allen Bereichen davon berührt, nicht nur unser Wohlbefinden und Gesundheit, unsere Lebensweise und Philosophie, sondern auch unser Lebenserfolg. Allzu viele Menschen sind nur deshalb erfolglos, weil sie sich ständig mit Menschen umgeben, die nicht gut für sie sind.
  • Entwickle Interesse an neuen Dingen. Die meisten Menschen leben ihr Leben immer auf dieselbe Weise – jahrein, jahraus. Trifft man jemanden nach fünf Jahren ist er in der Regel immer noch mit denselben Dingen beschäftigt. Mit den wirklich interessanten Menschen im Leben verhält es sich nicht so: ständig sind sie dabei etwas Neues zu erforschen, zu lernen und auszuprobieren – ihr Leben beinhaltet oft Überraschungen und wenn man sich eine Zeitlang nicht getroffen hat, so erfährt man immer etwas Neues von ihnen. Versuche mehr ein solcher Mensch zu sein. Interessiere Dich auf für Dinge, von denen Du bisher nichts wissen wolltest – ein Hobby, ein Fachgebiet, was auch immer. Lass das Leben Dich etwas lehren und mit Energie erfüllen. Glaube niemals, dass Du bereits genau wüsstest, was Du alles kannst und auch nicht, wer Du eigentlich bist. Wenn man die Fähigkeit verliert sich selbst zu überraschen, dann hat man einen Teil von sich selbst verloren.
  • Lerne zu denken, originär zu denken und Deine eigenen Schlussfolgerungen aus den Dinge und Ereignissen der Welt zu ziehen, auch, oder gerade dann, wenn sie unpopulär sind. Dann meistere es die Einsamkeit auszuhalten, sowie den Widerstand, der Dir dann entgegenschlagen wird. Betrachte solches nicht als etwas Schlechtes, sondern als Möglichkeiten daran zu wachsen. Alle großen Geister der Geschichte sind an den Widerständen gewachsen, nicht an der Zustimmung – diese fühlt sich lediglich besser an, ist aber bei der Persönlichkeitsentwicklung nicht sehr hilfreich.
  • Letztlich fühlt man sich im Leben auch oft deshalb leer oder entfremdet, weil sich im Inneren nichts Substanzielles findet, nichts, was man sich wirklich selbst erschaffen hat. Der eigene Geist ist nur mit Informationen von außen gefüllt, von Dingen, die man gelernt und übernommen hat. Doch erst durch das Selberdenken, das Durcharbeiten von erhaltenem Wissen, erwirbt man „wahres“ Wissen. So gesehen gibt es auch in der heutigen Zeit nur wenigen Menschen, die wirklich etwas wissen und Sokrates alter Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ ist immer noch so wahr, wie er zu allen Zeiten gewesen ist.

 

Euer O. M.

Warum sich zu beklagen keinen Wert hat

17072667-an-angry-mob-of-people-swears-bad-words-in-speech-clouds-or-bubbles-to-voice-their-anger-frustration„Im Klagen, hat ein Philosoph entdeckt,

liegt tiefe Lust versteckt.

Wir sollen nie ein Leid bereu’n,

da wir uns der Klage doch erfreu’n.“

in Das Leben ist ein Traum“ von Pedro Calderón de la Barca –

 

Wer kennt sie nicht, die Typen, die ständig ein böses Wort gegen anderen und die „Umstände“ im Munde führen, die alles andere, aber niemals sich selbst als die Ursache ihres eigenen Übels erkennen? Ständig führen sie eine Rede, die sie als Opfer, aber niemals als Schöpfer ihres eigenen Daseins darzustellen versucht. Man kann sich nun angewidert von diesen Zeitgenossen abwenden oder sich ihnen mehr oder weniger mitleidig oder gar zustimmend zugesellen, doch wenn wir uns der Wahrheit verpflichtet fühlen, so können wir nicht umhin uns der Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit zu stellen und unser Urteil nur von ihr leiten zu lassen. Tun wir dies, so ergibt sich das nun folgende Bild.

 

Rein scheinbare Vorteile

Und doch scheint es für viele Zeitgenossen so zu sein, als ob das Klagen, das Sich-Beschweren eine Menge Vorteile in sich trüge. Man kann es ihnen nicht ganz abstreiten, doch wenn man einen genaueren Blick auf die Sache wirft, so entpuppt sich das Ganze doch als recht zweifelhaft. Lassen wir uns auf den Weg des Ewig-Klagenden ein, so erkennen wir, nollens vollens, bestimmte Dinge, die ich ob seines Wesen als eine Lust darstellen möchte:

  • Nun, zuerst einmal bereitet zu klagen Lust, eine Lust, die aus der Rache geboren wird, die man sich nicht eingestehen will.
  • Man versucht Mitleid zu erregen durch das Unrecht oder die schweren Schläge des Schicksals, die einem widerfuhren. Man sei aber nicht zu buchhalterisch damit, denn die Rechnung geht in Wahrheit nicht auf.
  • Manche halten das Leben nur deshalb aus, weil sie klagen. Nähme man ihnen die Möglichkeit dazu, sähen sie sich zum Weiterleben nicht in der Lage und müssten ihrem Dasein ein Ende setzen – sei es nur ehrvoll oder nicht.
  • Das Klagen bereitet dem Klagenden einen Rausch, so als ob er betrunken wäre – in der Regel nicht so, als ob Trunkenheit ihn übermannte, sondern so, dass er ihn ernergetisierte, mit unbekannter oder ungewohnter Kraft erfüllte – wenngleich auch nur mit einer scheinbaren. Aber darin liegt der Reiz des Klagenden.

 

Die Wirklichkeit des Sich-Beschwerenden

Wir wollen uns hier kein Blatt vor den Mund nehmen und die Dinge sehen, wie sie sind, deshalb können wir Wahrheitssuchenden nicht umhin uns gewissen Erkenntnissen zu stellen, so sehr sie auch dem widersprechen mögen, was als „geziemend“ oder „anständig“ gelten mag. Man verzeihe mir das nietzscheanische Pathos, doch keiner kann aus seiner Haut heraus und die Treue zum eigenen Wesen ist unumgänglich für all jene, die diesen Pfad beschritten haben.

  • Der ewig-Klagende ist ein dekadenter Mensch, es ist nicht die Kraft, die aus ihm spricht, sondern die Schwäche. Das Klagen selbst stammt aus der Schwäche, doch weiß einer heute noch, was ein „Decadent“ ist, im Sinne wie ihn Nietzsche verstand?
  • Jede Klage trägt in sich die Rache, die Rache am Leben und am anderen, doch gut getarnt und deshalb sich oft der Zustimmung anderer sicher. Es ist die dunkle Seite der Gerechtigkeit. Doch ist es überhaupt Gerechtigkeit, und sei es auch ihre dunkle Seite?
  • Wer klagt will andere so schlecht machen, wie er selbst ist. Er erträgt es nicht im Sumpf zu sitzen, während andere auf blühenden Wiesen sich der Lebenslust hingeben. Er muss ihnen nehmen was ihre Freude begründet und nennt es „Rechtschaffenheit“ oder gar „Gerechtigkeit“.
  • Wer klagt, ist arm an Leben und was ihm bleibt ist das Wort und das Pathos, Er hofft, dass er Gehör findet und seine Rede nicht als Schwäche entlarvt werde.
  • Das Schimpfen ist das Vergnügen der armen Teufel, wie Nietzsche sagt. Jemand muss Schuld sein am eigenen Unglück und deshalb ist das Auge begierig danach einen Sündenbock zu finden. Wohl denn, es wird einen solchen nie umsonst suchen.
  • Wer klagt, weiß nicht und will auch gar nicht wissen, WARUM er leidet. Er begnügt sich mich Erklärungen, die seinen Geist affizieren und sei es auch nur auf oberflächliche Weise. Das ist ihm genug, doch der Weise weiß sich zu wehren und hält von sich fern, was nie die Kraft hat ihn zu treffen, es sei denn, er gäbe sich selbst der Schwäche hin.
  • Das Klagen schadet unserem Ansehen, mehr noch, es gibt viel eher anderen Anlass uns noch mehr Schaden zuzufügen, als uns mit Mitgefühl zu bedenken. Es ist deshalb viel klüger von den Wohltaten zu sprechen, die man durch andere erfahren hat, regt man dadurch doch solche erneute an, in dem man davon berichtet. Über Fehler der andere sollte man ebenso schweigen, wie über die eigenen. Dadurch bindet man seine Freunde an sich und hält seine Feinde fern.

Sich zu beschweren, beziehungsweise zu klagen hat sowohl Pros, als auch Contras, nichtsdestotrotz wird ein Mensch, der über Selbstachtung verfügt nicht zu so einem Verhalten, Klagen, greifen. Die seelische Erleichterung ob der Klage ist nichts im Vergleich zum Verlust an Ansehen und eigener Stärke. Wir sollten uns deshalb ohne Zweifel nicht auf diesen Weg einlassen.

 

Euer O. M.

 

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Ein nobleres Verständnis der menschlichen Natur

Nobler MenschHeute gibt es auf FME eine Premiere. Zum ersten Mal veröffentliche ich heute einen Gastbeitrag, geschrieben von Peter Mannheimern, einem langjährigen Freund von mir. Die in diesem Beitrag vertretenen Meinungen stimmen nicht immer mit meinen eigenen überein, doch soll das kein Hindernis sein ihn hier erscheinen zu lassen. Es kann sich so ein lebhafterer Diskurs ergeben und die eigenen Ansichten können von einem anderen Standpunkt her betrachtet werden.

 

Was bisher geschah

Sehen wir uns die klassischen Vorstellungen davon an, was der Mensch über den Menschen gedacht hat, so ist das, was wir über uns selbst und unser angeblich „wahres Wesen“ auszusagen hatten alles andere als ein Ruhmesblatt. Hatten die alten Griechen noch ein nobleres Verständnis von sich selbst, sofern sie männlich und gebildet waren, ebenso wie die Römer, sofern sie der Aristokratie entsprangen, so wurde mit den Unterwerfungsreligionen, zu denen auch das Christentum gehört, ein ängstlicher orientalischer Sklavengeist über Europa gestülpt, der den Menschen als von Natur aus sündhaft und damit als schlecht ansah. Nicht nur Nietzsche verabscheute diese alte Sicht des Menschen; doch er selbst wollte nur einigen wenigen ein besseres Wesen zugestehen und schloss sich, trotz aller Kritik, den Pessimisten und Schuldpredigern an, die im gemeinen Menschen nicht mehr zu vernehmen vermochten, als dass er als Humus für einen höheren Menschen dienen sollte, der erst noch im Entstehen begriffen war und dessen Vorläufer einige wenige Lichtgestalten der menschlichen Geschichte bildeten.

Modernere Interpreten, wie etwa Sigmund Freud, sahen als die wesentlichen Bestrebungen des Menschen Aggression und Sex an: ebenso wenig etwas, das uns zum Ruhme gereichen würde. Sein von ihm abgefallener Schüler Alfred Adler erblickte im Minderwertigkeitsgefühl einen wesentlichen Teil der menschlichen Natur.

Wie immer man auch an die Frage nach dem wahren Wesen des Menschen herangehen mag, es ist diese eine außerordentlich schwierige Frage, nicht nur deshalb, weil der Betrachter selbst ein Mensch ist und man ihm insofern ein gewisses Maß an Befangenheit vorwerfen könnte. Wir alle sind Teil der Zeit in der wir leben und so ist auch unser Menschenbild zeitgebunden. Was das Wesentliche des modernen Menschen darstellt, ist paradoxerweise gerade vom modernen Menschen selbst nicht erfassbar, egal wie klug er oder sie auch sein mag. Es wird der Geschichte überlassen sein ein brauchbares Urteil über den Menschen von heute zu fällen. Die Frage nach der Natur des Menschen an sich ist jedoch eine andere und sofern es in diesem Wesen eine Entwicklung gibt, wovon ihm Rahmen der Evolution in jedem Fall auszugehen ist, so scheint sie doch sehr langsam voranzuschreiten, so dass wir davon ausgehen können, dass der historische Mensch, also jener Mensch, wie wir ihn seit den frühesten Aufzeichnungen der Geschichtsschreibung her kennen (seit etwa 5000 Jahren) sich im Wesentlichen nicht verändert hat und deshalb auch mit Fug und Recht auf alles auf uns gekommene Material zurückgreifen können, das uns vorliegt, um diese entscheidende Frage zu beantworten oder eine Antwort nahe zu kommen.

So sehen wir durch die Geschichte hindurch das bereits oben geschilderte negative Menschenbild, das sich traditionell, ebenso wie das Weltbild aus dem Metaphysischen ableitet. Unter dieser grundlegenden Voraussetzung spielt es keine Rolle, ob wir es mit einer monotheistischen, einer polytheistischen oder eine Naturreligion zu tun haben. Wenngleich nicht alle traditionellen Menschenbilder negativ waren, so beruhte doch keines auf der Wissenschaft, wie wir sie im modernen Sinne verstehen. Die Natur des Menschen war mehr den Vorstellungen, den Mythen und der Philosophie vorbehalten und stützte sich, wenn überhaupt, nur selektiv auf empirische Studien. Auch die Wissenschaft blieb lange Zeit in dem Fahrwasser, dass ihr von den geistigen Strömungen der Tradition vorgegeben war und wagte sich nur allmählich ins Neuland der Erkenntnis vor. Es war einfacher und auch weniger gefährlich im sozialen Sinne, sich mit der toten Materie zu beschäftigen, allenfalls noch mit Tieren und Pflanzen, als sich dem Menschen in seiner ganzen Fülle zu nähern. Gedanken und mehr noch Gefühle galten lange Zeit als chaotisch, konfus und schwer zu erfassen. Exakte Wissenschaften scheuten davor zurück und man überließ es vorerst weiter den Philosophen und Medizinern und später auch den Psychologen sich damit zu befassen. Es ist erstaunlich wie wenig sich der Mensch um den Menschen gekümmert hat, möchte man doch meinen, dass er doch mit Montaigne längst erkennen hätte müssen, dass es kein interessanteres, herausforderndes Studium geben könnte, als eben jenes von uns Menschen! Dunkel war darum eben auch das Menschenbild, von Mythen und Aberglauben durchsetzt. Doch mit dem Voranschreiten und dem schwindenden Einfluss der Religionen, kam mehr Licht in die Natur des Menschen und verbesserten bald auch sukzessive die Bedingungen des menschlichen Lebens.

Bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hat der große österreichische Mediziner und Psychoanalytiker Wilhelm Reich eine Theorie über die Natur des Menschen auf gestellt und ihn als ein Wesen aus drei Schichten beschreiben:

An der Oberfläche trägt er die künstliche Maske der Selbstbeherrschung, der zwanghaft unechten Höflichkeit und der gemachten Sozialität. Damit verdeckt er die zweite Schicht darunter, das Freudsche „Unbewusste“, in dem Sadismus, Habgier, Lüsternheit, Neid, Perversion aller Art, etc. in Schach gehalten sind, ohne jedoch das Geringste an Kraft einzubüßen. Diese zweite Schicht ist das Kunstprodukt der sexualverneinenden Kultur und wird bewusst meist nur als gähnende Leere und Öde empfunden. Hinter ihr, in der Tiefe, leben und wirken die natürliche Sozialität und Sexualität, die spontane Arbeitsfreude, die Liebesfähigkeit. Diese letzte und dritte Schicht, die den biologischen Kern der menschlichen Struktur darstellt, ist unbewusst und gefürchtet. Sie widerspricht jedem Zug autoritärer Erziehung und Herrschaft. Sie ist gleichzeitig die einzige reale Hoffnung, die der Mensch hat, das gesellschaftliche Elend einmal zu bewältigen. (Wilhelm Reich, „Die Entdeckung des Orgon – Die Funktion des Orgasmus, Kiepenheuer & Witsch, 9. Auflage 2009, S. 175f).

Reich geht also von einer Dreiteilung aus. Die oberflächliche Schicht, die der Mensch seinen Mitmenschen zeigt, ist wohlbekannt und seit jeher als „Maske“ oder „Schauspiel“ durchschaut worden (Goethe und Shakespeare sahen gleichermaßen im Menschen einen Schauspieler, der auf der Bühne des Lebens viele Rollen spielt). Mit Freud kam die Aufdeckung der darunter liegenden Schicht, die Übel und allerlei Ekelhaftes ans Tageslicht brachte, all jene Dinge, die die Menschen nicht sehen wollten. Im traditionellen Sinne hätte man diesen Bereich als „Sünde“ bezeichnet. Was jedoch das besondere Verdienst Reichs war, war, dass er tiefer grub als Freud, dass er nicht beim „Unbewussten“ haltmachte, sondern darunter eine Natürlichkeit und Bescheidenheit entdeckte, die unerschütterlich ist und die alles vergessen macht, was der Mensch darüber gelegt haben mag.

Die Humanistische Psychologie hatte einige bemerkenswerte Erfolge, gerade ab den späten 50er Jahren, vorzuweisen. Doch nicht allzu selten sah sie sich polemischen Vorwürfen ausgesetzt, sie sei oberflächlich und würde im Grunde nur ein Art Psychomarketing darstellen, ein geschickter oder in manchen Fällen ein nicht ganz so geschickter Versuch, im psychischen Bereich den Menschen das gute Leben zu verkaufen, wie es die Wirtschaft auf der materiellen Ebene täte. Nichtsdestotrotz haben sich einige herausragende Forscher wie etwas Eric Berne und Abraham Maslow damit beschäftigt, was der Mensch sein könnte. Sie entwickelten Konzepte, die fern der traditionellen Lehre, die sich vor allem mit der dunklen Seite des Menschen, mit dem Guten, mit dem Potenzial von uns allen beschäftigte und uns eine Vorstellung davon gegeben was ein freier, selbstbewusster glücklicher Mensch sein könnte. Abraham Maslow etwa beschreibt in seinem einzigartigen Werk „Motivation und Persönlichkeit“ Menschen, die es tatsächlich zu einem Maß an Erfüllung gebracht hatten, das weit jenseits dessen lag, was dem Normalbürger auch nur im Geringsten im Bereich des Möglichen erscheinen musste.

 

Einflüsse von außen

Auch im Buddhismus gibt es die Ansicht, dass das Böse keine eigentliche Sache an sich sei, kein Gegenpol zum Gutem, sondern das verkrüppelte Gute. Wenn das Gute sich nicht entfalten kann, weil ihm sein freies Aufblühen verwehr wird, dann degeneriert es und tritt uns als das entgegen, was wir als Böse bezeichnen. Es deutet immer mehr darauf hin, gerade aus der modernen Wissenschaft, und hier sei besonders die Quantenphysik genannt, dass die fundamentale Wahrheit aller Dinge eine Einheit und kein Dualismus ist. Dem Guten steht kein Böses entgegen, dieses ist nämlich nicht aus sich selbst heraus existent, sondern lediglich eine fehlgeleitete gute Absicht (übrigens ist auch das Christentum keine dualistische Religion. Gott herrscht alleine, es gibt keinen Gegenspieler, wie etwa den Teufel. Solches zu behaupten wäre manichäisch, nicht christlich). Man erkennt hier gerade auch den positiven Einfluss, den nichtwestliche Kulturen auf unseren Geist haben können, wie sie dazu beitragen können ein umfassenderes Verständnis der menschlichen Natur zu entwickeln.

Es gibt ja bekanntlich die Metapher vom Elefanten, der von einer Gruppe von Blinden befühlt wird und über den jeder eine andere Aussage macht. Der eine konzentriert sich auf die dicken Beine und meint ein Elefant bestünde aus dicken Beinen. Ein andere befühlt die riesigen Ohren und ist demzufolge davon überzeugt Elefanten hätten im Wesentlichen große Hörorgane. Wieder ein anderer meint Elefanten seien vor allem fest und glatt und hätten eine scharfe Spitze am Ende, was daher rührt, dass er sich auf die elfenbeinernen Stoßzähne konzentriert. Wie dem auch sei, der einzige, der etwas über das Aussehen eines Elefanten machen kann, und zwar in seiner Gesamtheit, ist jener, der ihn mit tauglichen Augen als Ganzes sehen kann. Nun kann keiner von uns behaupten in eben jener Position zu sein und es wäre eine unverantwortliche Hybris etwas in einer Art „Hyper-„ oder „Weltreligion“ oder „-philosophie“ davon auszugehen, dass man eben dazu und er Lage sei, ganz im Sinne von, dass alle irgendwo Recht hätten, dass man die verschiedenen Glaubenssätze eben nur zusammenführen müsse. Trotzdem dürfen wir uns nicht verschließen vor jenen Einsichten, die andere Kulturen seit vielen Jahrhunderten oder in manchen Fällen sogar Jahrtausenden gemacht haben. Soviel dazu.

 

Menschliche Bestrebungen

Auch wenn wir uns die menschlichen Bestrebungen ansehen, so entdecken wir im Grunde immer gesunde Bedürfnisse. Selbst der Verbrecher versucht ein vernünftiges und gutes Bedürfnis zu befriedigen, seine Art dies zu tun ist verbrecherisch, nicht sein eigentliches Bestreben. So gelangen wir sehr bald zu der Einsicht, dass dem Menschen an sich nichts Böses innewohnt. Wenn er jedoch entmutigt ist und seine Bedeutung nicht in der Welt spürt, dann ist die einfachste Art sich Signifikanz zu verschaffen eben jene, einem anderen Menschen durch Drohung oder tatsächliche Gewalt eine solche abzupressen.

 

Die Situation heute

In den letzten zwei Jahrzehnten jedoch hat sich glücklicherweise auf dem Gebiet der Psychologie einiges getan, was Anlass zu großer Hoffnung gibt. Die positive Psychologie hat sich aus einem Nischendasein zu einer ernstzunehmenden Strömung entwickelt, die nicht einfach dem Zeitgeist entspringt, sondern etwas Substanzielles, etwas Verlässliches darstellt, auf dem zukünftige Forscher aufbauen können und das das Potenzial beinhaltet zu einer wahrhaften Verbesserung des Lebens aller Menschen auf dem Planten beizutragen. Denn das sollte das Ziel von uns allen sein: Spuren in der Welt zu hinterlassen und das Dasein unserer Mitmenschen verbessert zu haben; die Welt in einem besseren Zustand vorzufinden, wenn wir sie verlassen, als sie sich befand, als wir geboren wurden!

Das ist eine ermunternde Entwicklung im Westen, dass gerade unsere Psychologie, die neueste Forschung betreffend, in eine ganz andere Richtung weist, als dies die althergebrachte Tradition getan haben. Wir befinden uns mitten in einer Revolution, was das Verständnis unser selbst betrifft. Ein relativ wenig bekannter Mann namens Ian Suttie („The origines of love and hate“) hat hier Pionierarbeit geleistet. Leider verstarb er allzu früh, doch sein Schüler, John Boldy (bekannt in der Kinderpsychologie) führte seine Arbeit fort und sorgte auch für die Veröffentlichung der Forschungsarbeit seines Lehrers. Suttie beschäftigte sich intensiv mit der Entwicklung von Kindern und seiner Überzeugung nach ist nicht das Streben nach Macht, Lust oder Aggression das wesentliche Bestreben des Menschen, sondern jenes nach Gemeinschaft mit anderen. Der Mensch ist seinem Wesen nach sehr sozial und eben nicht asozial – zu solchem muss er erst künstliche gebracht werden. Dies zeigt sich in der gesunden, intimen Beziehung zwischen einer liebevollen Mutter und ihrem Baby. Diese Beziehung ist als das Ideal und als Modell für alle intimen Beziehungen zwischen Menschen anzusehen. Es gilt deshalb:

Die Ansicht, dass der Mensch sündhaft und schlecht sei, ist falsch und nicht mehr aufrecht zu erhalten!

Nicht zuletzt die Neurowissenschaften zeigen uns mit ihren Untersuchungen von kranken und gesunden Gehirnen (vor allem durch Messungen von Gehirnaktivitäten durch SPECT-Scans), dass der gesunde Mensch auch ein sozialer, liebevoller, netter Mensch ist, der fern des Bösen lebt. Es sind die kranken Gehirne, die am meisten Schaden anrichten, aber Kranksein ist nicht die Natur des Menschen, sondern die Gesundheit. Wenn man den Begriff Sünde doch noch verwenden möchte, dann darf dies nicht im moralischen Sinne geschehen werden, sondern hat sich daran zu orientieren, dass damit ein unnatürlicher Zustand gemeint ist, wie immer dieser auch entstanden sein mag.

Der Glaube an den Menschen ist keineswegs gegen Gott gerichtet, wie manche religiösen Menschen uns glauben machen wollen. Humanismus und Theismus sind wunderbar miteinander vereinbar. Was den Christen betrifft, so sei hier an das wichtigste Gebot erinnert, dass Jesus seinen Jüngern gegeben hat: Gott und seinen Mitmenschen zu lieben – und beide Gebote sind einander gleich. Nicht indem wir einen Gott außerhalb dieser Welt anbeten dienen wir ihm, sondern indem wir ihn in unserem Nächsten ehren, erfüllen wir seinen Willen. Aber auch für Nichtchristen und Menschen, die jede Metaphysik, mitsamt ihren Begriffen und Vorstellungen ablehnen, zeigt sich hier eine Grundlage, die nicht von der Hand gewiesen werden kann. Ja mehr noch, hier bietet sich die Möglichkeit, dass alle Menschen, auch die Atheisten und Agnostiker, eine gemeinsame Basis finden, eine Basis auf der Frieden, Harmonie, Gerechtigkeit gedeihen können, für eine Welt in der den Alten Sicherheit und den Jungen eine Zukunft geboten wird.

Wir dürfen eines niemals vergessen: Den Menschen zu studieren mag auf einer oberflächlichen Stufe dazu führen seine Natur zu verachten, doch je tiefer man in die Materie eindringt, desto wunderbarer, desto erhabenerer wird die Anschauung, die wir von ihm gewinnen und desto umfassender wird die Liebe zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen. Das Studium des Menschen dient in seinem höchsten und letzten Zweck dazu das Leben von uns allen zu bereichern und zu verbessern und damit dem Lebendigen im Allgemeinen, nicht nur im Menschen selbst, zu dienen.

Emotionale Reife oder: Dein psychisches Alter

2904172-portrait-of-a-senior-successful-businessmanErwachsen ist man in den meisten Ländern mit Erreichen des 18. Lebensjahres. Richtig? Sofern es um das gesetzliche Alter handelt, ab dem man als volljährig, also voll als geschäfts- und deliktsfähig gilt, ja. Auf der anderen Seite wissen wir alle, dass es Verhaltensweise von Leute weit jenseits der 20, 30, 50 oder noch älter gibt, die einem viel früheren Stadium entsprechen, als es die Jahre, die sie schon auf Erden zugebracht haben, einen glauben machen möchten. Wir haben es also beim Begriff „Reife“ mit ganz unterschiedlichen Aspekten zu tun, die sich recht stark von einander unterscheiden können.

 

Verschiedene Arten von Reife

Beim Menschen gibt es drei Arten von Reife, die jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht werden:

  1. Körperliche Reife
  2. Mentale Reife
  3. Emotionale bzw. psychische Reife

Die körperliche Reife des Menschen ist in den frühen 20ern erreicht und erreicht in der Mitte der 20er dann ihren Höhepunkt. Die mentale Reife geht noch darüber hinaus und wird irgendwann zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr erreicht. Die verschiedenen Ansichten dazu sind viel zu unterschiedlich, als dass man dazu genau Angaben machen könnte. Auch sind die individuellen Unterschiede diesbezüglich viel zu groß. Was die emotionale Reife betrifft, so sieht es hier am düstersten aus. Emotional reif werden Menschen überhaupt erst in höherem Altern, wenn überhaupt. Der größte Teil aller Menschen erreicht emotionale Reife im vollumfänglichen Sinne überhaupt nie und stirbt ohne diese, an sich natürliche Anlage des Menschen, zur vollen Entfaltung gebracht zu haben.

Seine eigene emotionale Reife zu erkennen ist weitaus schwieriger, als jene bei anderen feststellen zu können. Das kommt daher, dass ein großer Teil der unreifen Handlungen und vor allem ihre Motive uns nicht bewusst sind, sondern dem Unbewussten entspringen. Es gibt jedoch einige Merkmale, die dabei helfen die eigene emotionale Reife und jene von anderen zu erkennen:

 

Kennzeichen emotionaler Reife

  • Die Fähigkeit zwischen jenen Dingen die der eigene Kontrolle unterliegen und jene, bei denen dies nicht der Fall ist, unterschieden zu können, sowie die Akzeptanz der Ergebnisse dieser Unterscheidung
  • Respekt für die eigenen Grenzen und jene von anderen
  • Konzentration: Emotionale Reife zeichnet sich dadurch aus sich auf eine Sache ganz konzentrieren zu können und das über einen längeren Zeitraum hinweg. Damit verbunden ist die Fähigkeit unangenehmen Aufgaben zu erfüllen und Belohnungen aufschieben zu können.
  • Die Fähigkeit Herr über die eigenen Gefühle zu sein. Die aktuellen Gefühle in einer jeweiligen Situation zu kontrollieren funktioniert allerdings nur, wenn es keine „emotionalen Altlasten“ mehr gibt. Darunter sind gestaute Gefühle zu verstehen, die aus der Vergangenheit her stammen und durch eine gegenwärtige Erfahrung „getriggert“ (sprich ausgelöst) werden. Zeigt ein Mensch beispielsweise ein Ausmaß an Wut über eine bestimmte Situation, die sich nicht aus dieser selbst erklären lässt, ist stets nicht gelöste Wut aus der Vergangenheit aktiv, die nun erneut angesprochen wurde
  • Schwierigkeiten beim Unterscheiden zwischen richtig und falsch und ein Anhängen am Relativismus, im schlimmsten Fall die Vertretung einer rein materialistischen oder gar zynisch-nihilistischen Weltanschauung
  • Eine existenzielle Unruhe im Leben, ein „Unbehagen in der Kultur“ wie es Sigmund Freud ausdrückte
  • Das Fehlen von Empathie, die Unfähigkeit das Seelenleben anderer zu verstehen und nachfühlen zu können, deutet auf Unreife emotionaler Art hin
  • Narzissmus – bösartige „Selbstliebe“. Das ist nicht zu verwechseln mit einem gesunden Selbstvertrauen, was ganz im Gegenteil ein Zeichen von hoher emotionaler Reife ist
  • Bewusstsein für die eigene Person und das eigene Handeln. Wer ständig auf „Autopilot“ läuft, der verfügt über nur wenig Freiheit und ist sich seiner Unfreiheit noch nicht einmal bewusst
  • Verantwortung: Emotional reife Menschen übernehmen Verantwortung für ihre Handlungen. Die Suche nach Sündenböcken hingegen ist ein typisches Zeichen von Unreife in diesem Bereich
  • Sich selbst genügen ist ein Zeichen von Reife. Wer ständig Dinge von außen braucht (materielle Güter, Anerkennung durch andere, Belohnungen von außen etc.) gleicht in diesem Bereich noch einem Kind, das auf die Versorgung durch seine Eltern angewiesen ist
  • Die Fähigkeit mit Kritik gut umgehen zu können. Das umfasst einerseits das Unterscheiden von konstruktiver und von destruktiver Kritik. Erstere muss ernst genommen werden, um sich selbst zu verbessern, letztere ist ein persönlicher Angriff, der einen nicht ärgern sollte.

 

Das größte Hindernis für emotionale Reife – sich selbst nicht zu kennen

Hier wird’s richtig ernst, hier kommen wir zum Kern der allermeisten Lebensprobleme überhaupt: Die allermeisten Menschen haben keine Ahnung davon, wer sie selbst sind! In frühester Kindheit wird die Mehrheit der Menschheit von sich selbst entfremdet (wir nennen diesen Vorgang verniedlichend „Erziehung“). Diese Entfremdung von sich selbst ist derart häufig anzutreffen, dass dieser Zustand als völlig normal gilt – auch Psychologen und Psychiater erkennen dieses Problem in der Regel nicht, da auch sie davon befallen sind. Aus der Entfremdung von sich selbst folgt die Entfremdung von anderen Menschen, seiner Arbeit und letztlich überhaupt von der Natur/dem Universum als ganzem. Das ist die Lage des Menschen heute im frühen 21. Jahrhundert. Es darf uns deshalb nicht wundern, dass die emotionale Reife der Menschheit als ganzer nicht besonders ausgeprägt ist. Dies gilt vor allem für die „zivilisierten“ Völker; bei den Naturvölkern hingegen finden wir das höchste Maß an emotionaler Reife überhaupt vor! Wie dem auch sei, die Lösung für das Individuum zur Erlangung emotionaler Reife besteht deshalb in einer Sache: DIE WIEDERERLANGUNG DER VERBINDUNG MIT SICH SELBST! Ohne diese Wiedererlangung wird jeder Versuch emotionale Reife zu erlangen unvollständig bleiben.

 

Schlussfolgerung

Soll man sich nun schämen und Vorwürfe machen, wenn das eigene emotionale Alter nicht der geistigen und körperlichen Reife entspricht? Auf keinen Fall, damit wäre keinem gedient. Schuld- und Schamgefühle zementieren einen Zustand nur noch mehr ein und erschweren oder verunmöglichen einem sogar die Möglichkeit etwas zum Positiven zu verändern. Alles beginnt damit, dass wir aufhören uns selbst etwas vorzumachen und einen aufrichtigen Blick in den Spiegel werfen. So schmerzhaft die Erkenntnis des eigenen psychischen Alters zu Beginn auch sein wird, so sehr ist diese Erkenntnis doch heilsam, da sie uns dazu bringen kann an uns zu arbeiten und unser eigenes Wachstum zu fördern. Auch hier gilt der alte Spruch, dass eine Medizin oft bitter schmecken muss, weil sie sonst nicht wirkt.

 

Euer O. M.

 

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Probleme gehören zum Leben – so what?

31760214-difficult-resolution-of-a-maze-by-a-troubled-businessmanEiner Sache müssen wir uns im Leben immer stellen: Probleme und Schwierigkeiten. Die Vorstellung, dass das „perfekte“ Leben darin bestünde, ohne irgendwelche Probleme zu sein, ist zwar sehr verführerisch, doch in diesem Universum unmöglich machbar. Und zwar gilt das nicht nur für „gewöhnliche Leute“, sondern ebenso für jene, die es „geschafft“ haben, was in unserer Gesellschaft in der Regel heißt, reich, mächtig und berühmt geworden zu sein.

Sicherlich, unsere Probleme bleiben nicht immer dieselben, sie ändern sich mit den Umständen des Leben und unserer Entwicklung, nichtsdestotrotz bleibt die Tatsache der Schwierigkeiten bestehen. Als Kind und Jugendlicher hat man Probleme, die man als Erwachsener meist gelöst hat, doch dann stellen sich neue ein, von denen die Jungen noch gar nichts wussten. Arme Leute, ebenso wie kranke Menschen haben Probleme, aber reiche und gesunde Menschen haben es ebenso nicht leicht. Die Angst Geld zu verlieren ist genauso groß oder noch größer als jene nicht genug zum Leben zu haben. Die Angst vor Krankheit kann weitaus größer sein, als nie mehr gesund zu werden und so weiter.

Ziele im Leben zu haben ist an sich eine gute Sache, doch oft bringt ihre Erreichung Probleme mit sich, an die man vorher nicht gedacht hat. Teilweise können diese derart gravierend sein, dass man, hätte man sie bereits im Vorhinein gekannt, das entsprechende Ziel überhaupt nicht angestrebt hätte. Man mag zwar mit jedem Erfolg eine Stufe höher klettern, doch neue Schwierigkeiten werden sich auf jeder dieser Stufen einstellen, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Wie schwer ein Problem wiegt, ist eine Sache der Bewertung und diese hängt wiederum von unserer eigenen Geisteshaltung ab. Was für den einen eine Katastrophe darstellt, ist für den anderen kaum der Rede wert und vice versa. Vorsicht ist hier allerdings geboten, denn unter Geisteshaltung darf man nicht die Abwehrmechanismen im psychologischen Sinne verstehen, die ja alle darauf hinauslaufen sich der gegenwärtigen Realität nicht ganz zu stellen. Zudem sind diese meist ein Schwindel. Wenn man Schmerz empfindet ist es Unsinn so zu tun, als ob dem nicht so wäre. Dieses „Drehen“ an der psychischen Schraube funktioniert nicht wirklich, nur scheinbar. Um was es im Kern geht, ist die Veränderung der Aufmerksamkeit, weg von den Dingen, die einen blockieren, zu jenen, die einem eine Lösung, eine Perspektive bieten.

Die Vorstellung, dass das Leben nur dann gut sein könne, wenn es keine Probleme gäbe, ist eine der großen Ursachen für das Unglück im Leben, das so viele Menschen quält. Wer sich zum Ziel setzt eines Tages keine Schwierigkeiten mehr zu haben, wird zwangsläufig unglücklich und frustriert werden. Wir müssen es lernen Probleme als ein normaler Teil des Lebens aufzufassen und nicht als einen „Fehler“, der beseitigt gehören würde. Man kann sehr wohl glücklich und zufrieden sein, trotz all der Schwierigkeiten, die sich einem im Leben stellen.

Wenn wir akzeptieren, dass das Leben nicht leicht ist und dass Probleme uns immer begleiten werden, brauchen wir keine Energie mehr für den Kampf gegen die Realität zu verschwenden und können uns ganz dem widmen, was in unserer Macht steht. Einem Problem leistet man am besten keinen Widerstand, sondern geht ähnlich vor wie es bei den meisten asiatischen Kampfsportarten der Fall ist. Man leistet einer Sache keinen direkten Widerstand, wehrt einen Schlag nicht direkt mit einem Gegenschlag ab, sondern lenkt lediglich die Energie von einem selbst ab und steuert sie in die gewünschte Richtung. Im Wesentlichen geht es darum die Stärke eines Gegners gegen diesen selbst zu richten.

Wenn Probleme als untrennbar mit dem Leben verbunden anerkannt werden, dann ist die Tatsache ihrer Existenz an sich keine große Sache mehr.

 

Euer O. M.

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Echtes Wissen oder: Was weiß ich wirklich?

5928111-the-thinker-statue-by-the-french-sculptor-rodinMit dem Begriff „Wissen“ geht man heutzutage recht sorglos um, ja mehr noch meist spricht man leichtfertig davon etwas zu wissen und brüstet sich sogar nicht selten damit oder bewundert andere vermeintlich Wissende. In Wahrheit ist es in den meisten Fällen nicht sehr weit her damit. Nur in den seltensten Fällen ist das, was als „Wissen“ bezeichnet wird, tatsächlich Wissen, echtes Wissen. Wie kann das sein? Warum sollten sich hier die meisten im Irrtum befinden?

 

Wahres Wissen

Echtes Wissen kann niemals durch Lesen erworben werden, völlig unabhängig davon um welch geistreichen Bücher es sich auch handeln mag. Als Leser ist man doch nicht Herr der Gedanken und Gedankengänge, sondern lässt sich von einem anderen, dem Autor, führen, in welche Richtung dieser, und nicht der Leser, gehen möchte. Wer liest denkt nicht mit dem eigenen Kopf, sondern mit jenem eines anderen. Erst das Durchdenken des Gelesenen vermag uns Wissen zu bescheren. Beim Lesen soll man Maß halten, denn ein Zuviel davon macht unseren Geist träge und abhängig. Die Suche nach immer neuen geistigen Anregungen durch die Gedanken anderer, kann zur Sucht werden und dabei den eigenen Geist völlig erschlaffen lassen, so dass er das selbständige Denken sogar verlernen kann. Philosophen haben schon vor langer Zeit auf die Gefahren des (zu viel) Lesens hingewiesen und manche Philosophen, wie etwas Hobbes und Comte haben sich sogar damit gerühmt, dass sie in ihrem Leben nur wenig gelesen hätten.

Ebenso wenig kann Wissen durch reine Erfahrung erworben werden, denn erst das Nachdenken über das Erfahrene kann zu wahrem Wissen führen. So sind denn weder der reine Büchermensch noch der bloße Empiriker Denker im eigentlichen Sinne.

Der Unterschied zwischen echtem Wissen und Wissen aus zweiter Hand ist enorm. Bei letzterem sind die Gedanken nicht originär, der Vortrag orientiert sich an Plattitüden, an Modebegriffen und allgemein anerkannten Phrasen, die Klugheit bezeichnen sollen, es fehlt die Leidenschaft, das „Feuer“, das hinter solchem Wissen steht, der Stil ist meist abgedroschen oder gewöhnlich. Man merkt, dass ein solcher Mensch nicht fühlt, wovon er spricht, dass alles nur im Kopf ist und nichts vom Herzen begriffen wurde. Anders hingegen der echte Denker, bei dem Hirn und Herz gleichermaßen von einer Sache ergriffen sind, dessen Ausdruck ursprünglich ist und stets etwas Einmaliges, oft auch Neues, an sich hat. Man merkt, dass der Denker wahrer Eigentümer seines Wissens ist, dass die verschiedenen Wahrheiten miteinander verglichen und abgewogen wurden und dass dadurch eine Sicherheit erlangt wurde, die dem Sophisten, demjenigen, dem der Schein alles ist und der Inhalt kaum der Rede wert, fremd ist. Der echte Denker hat Verstand und Vernunft, der Denker aus zweiter Hand hat nur den Intellekt.

 

Was bewirkt Selbstdenken?

„Wissen ist Macht“, heißt es, doch betrügen sich die meisten nur selbst mit dieser scheinbaren Weisheit. Denn egal wie gelehrt einer ist, wie viel er auch immer gelernt haben mag, so wird er dadurch alleine doch nie über Macht verfügen. Die Ansicht, dass Bildung Macht sei, ist eine gemeine Lüge. Das einzige, was wirklich Macht gewährt, ist das Selbstdurchdachte, das wahre Wissen. Nachdem dieses aber äußerst selten anzutreffen ist, ist auch Macht, die auf Wissen beruht, ebenso selten irgendwo zu finden.

Eigenständiges Denken macht uns frei, denn wer eine Sache selbständig durchdenkt hat, der ist seine eigene geistige Autorität geworden und erkennt keinen anderen mehr über sich an. Die Unsicherheit, die so viele Halbgebildete umtreibt, die ständig noch mehr und mehr Informationen brauchen und dann immer noch unschlüssig sind und neurotisch mit sich selbst herumdisputieren, ist den wahren Denker fremd geworden; sie ruhen in ihrer eigene mentalen Stärke, die freilich nicht mit einem engstirnigen oder selbstgerechten Geist verwechselt werden darf. Wer nur über Bücherwissen und die Gedanken von anderen verfügt, der kann solche Sicherheit nicht erlangen, allenfalls kann er sich durch eine zur Schau gestellt Pose versuchen darüber hinweg zu setzten (und darauf hoffen, dass niemand den Schwindel des bloßen Wissens aus zweiter Hand bemerkt).

Was oft unberücksichtigt bleibt, ist die Tatsache, dass selbständiges Denken glücklich macht! Wer es nie versucht hat und Denken vor allem als eine unangenehme Aufgabe betrachtet, der weiß freilich nichts davon. Wahres Denken erkennt man auch daran, dass es dem Denker nicht um den Schein geht, nicht darum bei anderen Eindruck zu schinden und als „klug“ oder „intelligent“ zu gelten. Solches echte Denken ist an sich schon eine Befriedigung und wenn sich die Ergebnisse auch noch in praktischen Erfolg umsetzen lassen, so ist dies nur noch ein zusätzlicher Bonus.

Letztlich bewirkt Selbstdenken, dass man sich von anderen, auch von der Masse der Gelehrten und Gebildeten, deutlich abhebt. Es ist eine Unsitte der Zeit, dass wir zwar an jeder Ecke Gebildet vorfinden, doch kaum einmal einen, der das Denken beherrscht – so werden denn auch an unseren Schulen und Universitäten Diplome nicht für das Selbstdenken, sondern für das erfolgreiche „Nach-Denken“ im Sinne eines anderen Kopfes vergeben.

 

Was braucht man zum Selbstdenken?

Wie entsteht nun echtes Wissen? Einige Punkte müssen dazu erfüllt werden:

  • Anregung: Selbständiges Denken braucht eine innere Motivation, man muss dabei seiner eigenen Natur folgen, deshalb ist eine recht gute Selbstkenntnis Voraussetzung, um gut denken zu können. Wer keine Ahnung hat wer er ist, was er möchte und welche Werte ihm dabei wichtig sind, weiß auch nicht auf welchen Gegenstand er sein Denken lenken soll. Auch funktioniert Selbstdenken nur im Rahmen der Freiwilligkeit; wer zum Denken gezwungen wird, wird kaum einmal zu echtem Wissen gelangen.
  • Ernsthaftigkeit: wenn einem eine Sache nichts oder zu wenig bedeutet, wird man nicht den Erst aufbringen, der notwendig ist, um etwas ganz zu durchdenken
  • Mut: Denken ist sowohl eine intellektuelle, als auch eine emotionale Angelegenheit. Der Charakter spielt dabei eine wichtige Rolle. Die wichtigste Eigenschaft dabei ist die Courage. Wer Konflikte, sowohl mit anderen, als auch mit sich selbst, scheut, wird kaum einmal das selbständige Denken in Angriff nehmen.
  • Konzentration: Denken braucht einen Gegenstand auf den es sich richtet; ins Blaue hinein zu denken bringt nichts. Das heißt nicht, dass man sich strickte Beschränkungen auferlegen soll, sondern vor allem, dass man sich das Ziel während des Denkens stets vor Augen hält, dann hat man auch die Freiheit neue Wege zu gehen. Man muss sich im Wesentlichen davor hüten sich Tagträumereien, dem Ergehen in Phantasien und des ungezügelten Herumschweifens der Gedanken hinzugeben.
  • Ausdauer: Denken, echtes, hartes Denken ist in den meisten Fällen anstrengend und kann viel Zeit in Anspruch nehmen. Manchmal mag man meinen überhaupt nicht vorwärts zu kommen und die Versuchung aufzugeben ist dann meist sehr groß. Doch auch beim Denken gilt, wie bei fast allen großen Dingen im Leben, dass nur das eiserne Durchhalten letztlich Erfolg bringen wird.
  • Timing: Lesen kann man zu jeder Zeit, ebenso lernen, dazu braucht man lediglich Disziplin; Denken hingegen braucht eine innere Spannungen und Anregung, die nicht einfach durch einen Willensentschluss herbeigeführt werden kann. Niemand, auch der Klügste nicht, kann zu jedem gegebenen Zeitpunkt selbständig Denken.
  • Lernen: Um etwas zu durchdenken, muss man etwas wissen, das heißt aber auch, dass man etwas lernen muss, um es dann geistig bearbeiten zu können. Aber eben erst durch diesen gründlichen Bearbeitungsprozess entsteht wahres Wissen.

 

Schlussfolgerung

Durch Selbstdenken erreicht man Freiheit und Macht, nur durch das eigenständige Denken erlangt man Wissen, dass es wert ist als Wissen bezeichnet zu werden, Bücherwissen ist dazu ungeeignet, ebenso wie das Wissen dass durch bloße Erfahrung entsteht und nicht den Weg der geistigen „Verdauung“ und „Inkorporation“ gegangen ist. Nur was man verinnerlicht hat, gehört einem ganz an und versteht man ganz. Alles andere Wissen ist letztlich ein Fremdkörper in unserem Geist.

Wer noch ein Anfänger im Bereich des Selbstdenkens ist, dem sei eine mehrwöchige Leseabstinenz empfohlen. Diese wird sich vor allem für den Vielleser wie ein „kalter Einzug“ bei einem Süchtigen anfühlen (das ist nicht übertrieben, ich selbst war ein solcher Vielleser und weiß wovon ich spreche). Zudem sollte man sich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Zeit nehmen und über ein Thema, das einem wichtig ist nachdenken. Ich empfehle dabei keine schriftlichen Aufzeichnungen anzufertigen, sondern einfach nur zu denken. Eine gute Übung ist es auch, seine Gedanken laut auszusprechen, da man dadurch leichter Denkfehler erkennt, als wenn man nur still mit sich selbst konferiert (siehe dazu auch meinen Artikel über das Lösen von Problemen durch Selbstgespräche).

 

Nur was wir ganz und selbständig durchdacht haben, gehört und wirklich, und ist unsere Wahrheit! Nur sie verstehen wir ganz und sind mir ihr vertraut, wie mit unserem Körper. Solche Wahrheiten sind keine Dinge mehr, die uns angehören, sondern sie sind Teile von uns selbst geworden. Wenn man am Ende seines Lebens auch nur eine einzige Sache wirklich weiß (d.h. selbst durchdacht hat bis auf den Grund), dann ist dieses Leben nicht vergebens gewesen.

 

Euer O. M.

P.S.: Als ein guter Einstieg zum Thema eigenständiges Denken eignet sich das Buch „Thinking as a science“ von Henry Hazlitt, das hier bei librivox.org kostenlos herunter geladen werden kann.

 

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